GedankenBrausen #1

@alexandra_on_the_go

Ich lass mich gerne inspirieren.

Von Bildern und Büchern, von Filmen und Liedern.

Dann halte ich mittendrin inne, denke und beginne zu schreiben.

Ich kann mir vorstellen, dass manche Künstler und Autoren sich genau das wünschen: Dass Menschen sich durch ihre Werke inspiriert fühlen.

Manchmal geht mir ein Licht auf. Ich begreife etwas, etwas entwirrt sich in meinem Gedankengang und ich verstehe etwas, das mir schon so viel Kopfzerbrechen bereitet hat.

 

Ich weine viel, wenn ich Filme schaue.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, aber ich zeige das nicht gerne.

Einen Film, den ich alleine gesehen habe und dabei 10-mal in Tränen ausgebrochen bin, schaue ich mit dir und bleibe kühl.

Ich versuche mich zu schützen. Wovor? Das weiß ich nicht.

Aber meine Mama habe ich als Kind nie weinen sehen. Für mich gehört weinen zum Kind sein, nicht zum Erwachsen sein.

Ich will keine Schwäche zeigen.

Wenn ich deine Hilfe brauche, dann werde ich dich darum bitten, aber ich brauche dein Mitleid nicht.

Ich bin stark, weil mein Opa mir immer gesagt hat, dass Mädchen schwach sind.

Aber ich bin nicht schwach. Ich bin genauso stark wie die Jungs und lasse mir von meinem Opa schon gleich gar nichts sagen. Erst recht nicht, wer in der Küche beim Abwasch zu helfen hat.

 

Ich will Liebe in mein Leben lassen. Ich will alles und jedem mit Liebe begegnen. Ich will Toleranz leben und allem mit offenen Armen begegnen. Ich will wertschätzen und Menschen zeigen, dass Liebe die Antwort auf alle Fragen ist.

Ich will Zorn und Hass mit Liebe begegnen.

Ich möchte mich mit der Blume vor den Soldaten stellen.

Aber ich schaffe es nicht.

Nicht immer.

Zorn und Hass sind Gefühle, die uns alle einfangen. Vor denen wir nicht fliehen können, denen wir uns stellen müssen.

So sehr wir uns wünschen und wir daran glauben, dass Liebe der Weg ist, müssen wir akzeptieren, dass es nicht alles ist, was in uns lebt.

Aber wir können lernen auf diese Gefühle mit Liebe zu reagieren.

 

Ich wünsche mir, dass ich positiver in die Welt blicke.

Dass ich es schaffe angelernte Gewohnheiten zu überwinden, weil ich merke, dass sie mir und den Menschen um mich nicht gut tun.

Zuhause gab es selten Lob. Vieles war selbstverständlich. Vom Ausräumen der Spülmaschine bis zur Eins in Religion.

Wenn es für meine Mutter nicht besonders war, oder nicht in ihre Anerkennungsliste passte, dann gab es darauf kaum eine Reaktion. Kein Stolz. Meine Eltern waren auch nicht bei Sportwettkämpfen dabei. Gnädigerweise holten sie uns zumindest davon ab.

Mein Papa war selten da und Mama musste auch arbeiten.

Für sowas war keine Zeit; es war nicht so wichtig.

Aber eine 5 in Deutsch oder Latein, da hatte man Zeit sich drüber aufzuregen.

 

Meine Mutter war und ist ein Fan von alternativer Pädagogik.

Mein Bruder und ich waren unterschiedlich lange auf Montessori-Schulen und meine Mama hat selbst eine Zeit lang als Lehrerin dort unterrichtet.

Aber dennoch hat sie nicht geschafft, diese Leitlinien konsequent auf den Alltag zu übertragen. Sie steckte fest in der Erziehung ihrer Eltern.

Heute stecke ich fest in ihrer.

Ein Freund ist vor kurzem vegan geworden. Ein großer Schritt für ihn. Für mich selbstverständlich. Was soll man denn sonst werden heutzutage, unter diesen Umständen, mit dem Wissen, das wir haben. Ich habe mich natürlich gefreut und ihm jederzeit meine Hilfe angeboten. Aber ich habe ihm nicht genug gezeigt, wie glücklich mich sein Schritt macht. Weil er das ja nicht für mich machen soll, sondern für die Tiere und die Mitwelt.

 

 

 

 

Ich war bei ihm zum Essen, ich kochte, um ihm noch ein paar einfache, schnelle vegane Gerichte zu zeigen und mir fiel auf, dass er seinen Müll nicht trennte.

Ich machte ihm Vorwürfe.

Wie kann man in dieser Welt, die im Müll und besonders im Plastik erstickt, wo der Müll auf andere Kontinente verschickt wird, damit wir uns nicht mit unseren eigenen Problemen auseinandersetzen müssen, die Arroganz besitzen und seinen Müll nicht trennen.

Ich wurde sauer.

Er wurde sauer.

 

Und dann habe ich Tage später in einem Buch gelesen und mir ging ein Licht auf.

Die Trotzreaktion, die wir beide an den Tag legten, gründete genau in dem Verhaltensmuster, das ich zuhause gelernt hatte.

Ich hatte kein Lob, oder nicht genug für das bekommen, was ich gut gemacht hatte, aber die vermeintliche Kleinigkeit, die ich falsch machte, wurde aufgegriffen und mir vorgeworfen. Wie unfair.

Genauso hatte ich mich auch verhalten.

 

Obwohl ich allen Gefühlen mit Liebe begegnen möchte und mir Zeit nehmen möchte, allen Menschen mit Liebe zu begegnen und überlegt handeln möchte, schaffe ich es doch nicht.

Wir sind gefangen in den Gewohnheiten und Manifestationen unserer Muster, die sich um uns gebildet haben. Erst wenn wir das erkennen, können wir die Situationen kontrollieren und anders reagieren lernen.

 

Stehenbleiben, innehalten, durchatmen, zurückblicken, Zeit nehmen und dann reagieren.

Wir sind nicht gezwungen, auf jede Frage immer sofort eine Antwort zu haben. Wir dürfen uns die Zeit nehmen erst einmal in uns rein zu horchen und abzuwarten, was passiert.

Warten, dass sich die Wogen glätten und dann in sanften Wellen dem Rauschen des Meeres zuhören und die Antwort in die Welt tragen.


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