"Das Halsband der Tauben" von Raja Allem

rezensiert von Donata Kremsner

Das Beschreibung des Buches Das Halsband der Tauben lässt einen Kriminalroman in einer arabischen Stadt vermuten. Doch es ist viel mehr: Eine unbekannte Frau stirbt – die Gasse, in der dies geschah und in dem das Leben der Personen spielt, erzählt davon. Sie erzählt auch von ihrer Veränderung über die Jahrhunderte, über die verschiedenen Personen, die in der Gasse gelebt haben und über die Geheimnisse, die ihr durch das Leben anvertraut wurden. 

Bücher in einer Übersetzung zu lesen, ist für mich herausfordernd – besonders, wenn das Original auf Arabisch verfasst ist. Obwohl ich Basiskenntnisse der Sprache besitze, verstehe ich viele der literarischen Bilder nicht. So brauchte ich bei Das Halsband der Taube viel länger als sonst, um mich auf die komplexen Sätze und den ungewohnten Schreibstil einzulassen. So wenig des Plots wird explizit beschrieben. Bis zum Ende des ersten Teils ist das Mordopfer unbekannt, die Rollen zwischen Detektiv und Verführtem verschwimmen, die Gasse zieht alle in ihren Bann und verschleiert gleichzeitig deren Geschichten. Doch nicht nur die Worte, auch die Frauen werden verschleiert. Sie erzählen nicht – sie werden erzählt. Sie sind bedauerliche Figuren, die Gewalt, Frustration, Überhöhung, Verleumdung ausgesetzt sind. 

 

Raja Alem beschreibt ein modernes Mekka, verliert sich in Verschwörungstheorien um die Modernisierung des heiligen Bezirkes und der umliegenden Viertel, behandelt historische Mythen um einen verloren gegangenen Schlüssel zur Kaaba, thematisiert Probleme von illegalen Einwanderern sowie sexuelle und soziale Ungleichheiten von Mann und Frau, es werden unerfüllte Liebesgeschichten und zerstörerische Unfälle erzählt, Hinterhältigkeit und Freundschaftsdienste kommen vor. Aufgrund der vielen Themen, die behandelt werden, und aufgrund der vieldeutigen Sprache wird vieles gestreift, aber wenig ausführlich und klar erklärt. Wann und warum der Inspektor vom Ermittler zum Täter wird und wieder zurück, ist mir nicht klar. Welche der beiden weiblichen Hauptfiguren nun überlebte, und wer überhaupt starb – keine Ahnung. Wie die Frauen unter den schwarzen Abajas verschleiert bleiben, so bleibt es auch die Geschichte. Trotzdem will ich Bücher lesen, ihnen die Ehre erweisen und sie nicht vor dem Ende weglegen. Empfehlen kann ich dieses Buch jenen, die Rätsel mögen, die eine literarische Geschichte zur Entwicklung von Mekka und dem heiligen Bezirk lesen wollen. Ich habe Einblicke in den Alltag nahe der Kaaba bekommen, der mir bislang völlig unbekannt war. 

 

„In dieser Zeit schlief Nassir nicht mehr ruhig. Er wachte auf, machte sich Notizen über verdächtige Aussagen in Aischas Briefen, setzte ein rotes Kreuz an explosive Stellen und schrieb Formulierungen ab, die ihm gefielen. Er trug die ganze Mappe ständig mit sich herum, um immer wieder darin zu lesen.“


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