Ist das fair? - Mirvat Abara

Jeder Mensch hat die eine Methode, um Schmerz oder Gefahr zu vermeiden. Vielleicht finden Sie meine komisch oder wahnsinnig, aber glauben Sie mir, sie ist effizient. 

Nachdem meine Familie und ich aus Syrien in die Türkei geflohen waren, habe ich - und das war meine Methode - die ab hier gefährliche Flucht ganz einfach als Abenteuer betrachtet. Das Adrenalin in meinem Körper war sehr hoch, positiv hoch. Wir sind im Herbst in Izmir angekommen. Trotzdem konnte ich die Schönheit des Wetters bemerken - und ich fing an, meinen Kindern viele Geschichten über das Meer und Meerjungfrauen zu erzählen. Als ob wir Touristen wären. Aber das war angenehm für sie.

Für meinen Mann war es sehr klar, dass ich in der Realitätsverweigerungssituation war. Als er die Rettungswesten kaufte, kaufte ich Chips, Schokolade und Kekse. Als er eine Reifenluftpumpe kaufte, suchte ich bunte Hüte, auch wenn ich wusste, dass die Meerfahrt in der Nacht sein wird.

Und als die türkische Polizei uns gejagt hat, war ich so aufgeregt, als ob wir in einem amerikanischen Gangsterfilm mir Robert de Niro und Denzel Washington wären. PS ich nehme keine Drogen.

Jedenfalls: Um 23 Uhr waren wir am türkischen Strand. Wir hatten kurz Zeit, um die Rettungswesten anzuziehen, bevor die türkische Polizei kam. Aber ich war noch in meiner eigenen Welt. Als mein Mann sich und den Kindern die Weste anzog, habe ich mich gefragt: Was essen wir als erstes? Salziges Essen oder Süßes?

Und als die Leute, die mit uns fuhren, ganz normal ins Boot hineinstiegen, bin ich mit der Nase voraus eingestiegen, den Popo nach oben. Aber auch das war nicht genug, um mich aufzuwecken aus meiner eigenen, also ganz anderen, Realität.

Ehrlich gesagt wachte ich auf, als wir mitten in der Nacht in der Mitte des Meeres waren und die Wellen das Boot wie einen Ball herumzuwerfen begannen. In diesem Moment spürte ich, dass mein Herz in den Hals gerutscht war, dass mein Puls so schnell wie Drums trommelte. 

Natürlich konnten wir die Chips, Kekse und Schokolade nicht essen - wegen der Angst. Und weil wir wie Sardinen in eine winzige Dose geklemmt waren.

Nach etwa viereinhalb Stunden sind wir, trotz der mit uns Ball spielenden Wellen, am griechischen Strand angekommen. Und als ich den Boden angefasst habe, mich daran festgehalten habe, sind die komischen Ideen wiedergekommen. 

Aber ich habe mir gesagt, das Leben ist noch komischer als meine Ideen. Wenn ein kleines Nussschalenboot einen anderen Kontinent erreichen kann, während die unbesiegbare Titanic ertrinkt... Rest in Peace, alle Menschen aller Zeiten, und in allen Meeren dieser Welt. 


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